Wenn es darum geht, ein Finanzierungskonzept für den Bau oder Kauf einer Wohnimmobilie zu erstellen, sollten auch öffentliche Förderprogramme in den Blick genommen werden. Jeder Euro, der hierüber bezogen werden kann, reduziert die finanzielle Belastung. Förderprogramme werden von den einzelnen Bundesländern, der Kreditanstalt für Wiederaufbau, vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (B AFA) sowie zahlreichen Kommunen aufgelegt. Aufgrund der Vielzahl der Angebote beschränken wir uns auf Förderprogramme der Bundesländer. Ein weiterer Artikel behandelt sehr ausführlich die Fördermöglichkeiten durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau. Aufgrund der Fülle der unterschiedlichen Förderprogramme werden hier nur einige von ihnen beispielhaft beschrieben.

 

Wohnungsbauförderung in Baden-Württemberg

Das Land fördert Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind durch einen zinsgünstigen Kredit beim Bau oder Kauf einer Wohnimmobilie oder bei Umbau- oder Erweiterungsmaßnahmen, die der Schaffung von neuem Wohnraum dienen. Dabei sind jedoch Einkommensgrenzen einzuhalten, die sich wie folgt staffeln: Leben zwei Personen im Haushalt, liegt die Einkommensgrenze bei 48.495 EUR. Sie erhöht sich für jede weitere Person um jeweils 8.500 EUR. Mit der Basisförderung wird ein langfristiges Darlehen mit einer 15-jährigen Zinsbindung sowie einer 10-jährigen Zinsverbilligung gegeben. Kommt innerhalb von sechs Jahren nach dem Abschluss des Darlehensvertrags noch mindestens ein weiteres Kind hinzu, verlängert sich die Phase der Zinsverbilligung auf bis zu 15 Jahre. Die Details sowie Angaben zu weiteren Förderprogrammen können hier https://www.l-bank.de abgerufen werden.

Ab dem 01.April 2017 liegt die Einkommensobergrenze für eine Familie mit zwei Kindern bei 65.000 EUR. Für den Erwerb oder den Bau von selbstgenutztem Wohneigentum wird die  Einkommensgrenze für eine vierköpfige Familie bei 75.000 Euro liegen. Baden-Württemberg vereinheitlicht die Förderdarlehen nun auch landesweit. Für Bau- und Kaufinteressenten bedeutet dies, dass sie flächendeckend von der Bauförderung profitieren können. Zudem wurden die Darlehenshöchstbeträge reduziert. Damit will man erreichen, dass den Hausbanken eine Mitfinanzierung ermöglicht wird. Dafür wurden die Konditionen für selbst genutztes Wohneigentum verbessert und die Zinsvergünstigung von derzeit zehn auf 15 Jahre ausgedehnt.

 

Wohnungsbauförderung in Bayern

Im Freistaat Bayern werden vor allem junge Familien, die über ein mittleres Einkommen verfügen, mithilfe eines zinsgünstigen Kredits unterstützt. Der Förderkredit wird für den Kauf von neuen Wohnimmobilien, bereits vorhandenen Wohnimmobilien sowie den Bau von Wohnraum vergeben.  Zum Wohnraumbau zählen auch Gebäudeerweiterungen oder -veränderungen. Ob Familien in den Genuss dieser Förderung kommen, hängt vor allem von ihrem Jahresbruttoeinkommen ab. Unter bestimmten Voraussetzungen erhöhen sich diese Grenzbeträge. Der Förderkredit beläuft sich auf einen festen Zinssatz von 0,5 % jährlich auf 15 Jahre. Nach Ablauf dieser Zeit orientiert er sich am Kapitalmarktzins, wird jedoch maximal 7 % pro Jahr betragen. Der Freistaat Bayern stellt in Zusammenarbeit mit der BayernLabo noch weitere Förderprodukte bereit, die unter www.bayernlabo.de eingesehen werden können.

 

Wohnungsbauförderung in Berlin

In Kooperation mit der Investitionsbank Berlin (IBB) hat das Land Berlin mehrere Förderprogramme ins Leben gerufen. Dazu gehören Förderergänzungs- und Förderoptimierungsdarlehen sowie ein Kreditprogramm zur Wohnraummodernisierung. Keins von ihnen wendet sich jedoch unmittelbar an Hausbauer oder Käufer von Wohnimmobilien. Zu den Zielgruppen gehören beispielsweise Vermieter, Wohneigentümer, Wohnungseigentümergemeinschaften oder Mieter in Objekten des Sozialen Wohnungsbaus, aber auch Besitzer von selbstgenutzten Wohnimmobilien, die in früheren Jahren Aufwendungsdarlehen oder Aufwendungshilfedarlehen der IBB in Anspruch genommen haben und sich nun um die Umschuldung kümmern müssen. Eine vollständige Übersicht über die aktuellen Förderungen gibt es hier: www.ibb.de

 

Wohnungsbauförderung in Brandenburg

In Brandenburg werden Förderungen über Darlehen, Zuschüsse oder Bürgschaften realisiert. Auf der Basis eines Darlehens wird für private Haushalte der Erwerb, Neu- und Ausbau von Wohneigentum in Innenstädten gefördert.
Es müssen Einkommensobergrenzen eingehalten und eine Eigenleistung von mindestens 10 oder 15 % erbracht werden. Die Förderbedingungen beinhalten eine jährliche Tilgung von 3 %, ein einmaliges Entgelt von 2 % sowie ein jährliches Entgelt von 0,5 % der Restschuld. Die Darlehen sind 15 Jahre zinsfrei, darüber hinaus können Zusatzförderungen für bestimmte Personengruppen oder bautechnische Voraussetzungen beantragt werden. Der geförderte Wohnraum muss mindestens 15 Jahre selbst genutzt werden. Alle Förderprogramme werden unter der Adresse www.ilb.de ausführlich beschrieben.

 

Wohnungsbauförderung in Bremen

Bereits 2007 wurde in Bremen die klassische Wohnraumförderung für Privatleute eingestellt und nur kurzzeitig 2010 im Rahmen eines begrenzten Pilotprojekts aufgelegt. Das Land bietet derzeit über die Bremer Aufbau-Bank (www.bab-bremen.de) lediglich Neubau- und Modernisierungsförderungen für vermieteten Wohnraum sowie den Bremer Immobilienkredit, der sich an sanierungswillige Wohnungseigentümergemeinschaften richtet, an.

 

Wohnungsbauförderung in Hamburg

Bei der Basisförderung werden Familien, die über ein bestimmtes Höchsteinkommen verfügen, mit einem zinsgünstigen Darlehen unterstützt. Das Darlehen wird nur für die Neuerrichtung von Wohnimmobilien vergeben, die eine Mindestgröße haben müssen. Die maßgebliche Einkommenshöhe hängt von der Zahl der im Haushalt lebenden Familienmitglieder ab. Für eine vierköpfige Familie liegt die Einkommensgrenze z. B. bei 69.400 EUR. Auch die Kredithöhe ist von der im Haushalt lebenden Personenzahl abhängig, ebenso die förderfähige Wohnfläche.  Die Hamburgische Investitions- und Förderbank informiert unter www.ifbhh.de sehr ausführlich über alle aktuellen Förderprogramme.

 

Wohnungsbauförderung in Hessen

Das Land Hessen unterstützt mit einem Kredit den Bau oder Kauf von neu gebautem selbstgenutzten Wohneigentum. Das Darlehen ist auf 50 % der Gesamtkosten oder 115.000 EUR begrenzt. Wenn die Immobilie in Passivhausbauweise errichtet wird, kann sich das Darlehen um 20.000 EUR erhöhen. Der Effektivzins beträgt hierfür derzeit 1,01 % mit einer Zinsbindung von 10 Jahren. Für den Kauf einer gebrauchten Wohnimmobilie ist ein Darlehen von bis zu 100.000 EUR möglich. Eine vollständige Übersicht über alle Wohnraumförderprogramme des Landes Hessen befindet sich hier: www.wibank.de

 

Wohnungsbauförderung in Mecklenburg-Vorpommern

Es werden keine Förderprogramme zugunsten des Kaufs oder Baus von selbstgenutztem Wohnraum bereitgestellt. Die aktuellen Förderprogramme des Landes beschränken sich auf Darlehen, die zur Modernisierung oder zum Umbau von Genossenschafts- oder Mietwohnungen verwendet werden. Auch Zuschüsse, die für den Abbau von Barrieren bei bestehenden Wohnimmobilien verwendet werden, gehören zum Förderumfang des Landes. Zu den Förderprogrammen weist dieser Link: www.lfi-mv.de

 

Wohnungsbauförderung in Niedersachsen

Die Förderung von Wohneigentum wird in Niedersachsen für Familien mit Kindern sowie Menschen mit Behinderungen betrieben. Familien mit mindestens zwei Kindern erhalten beispielsweise einen Kredit bei einem Neubau oder Erstbezug einer Wohnimmobilie, jedoch auch beim Kauf einer bereits bestehenden Bestandsimmobilie, wenn das Haus oder die Wohnung selbst genutzt wird. Zusätzlich ist auch die Übernahme einer Landesbürgschaft für ein Darlehen bei einem Kreditinstitut möglich. Die Förderungen sind einkommensabhängig und in ihrer Höhe im Wesentlichen von der Zahl der im Haushalt lebenden Kinder abhängig.
Für Haushalte, in denen Schwerbehinderte, Menschen mit einer Einstufung mindestens  in die Pflegestufe 1 oder Schwerkranke mit einem progressiven Krankheitsverlauf wie z. B. Multiple Sklerose leben, ist ebenfalls eine Förderung mithilfe eines Kredits vorgesehen. Die Bedingungen ähneln denen, die auch für Familien gelten. Auch die Übernahme einer Landesbürgschaft ist hier möglich. Für beide Gruppen gilt: Der Kredit ist in den ersten zehn Jahren bis zu einer festgelegten Einkommensgrenze zinsfrei, beträgt jedoch auch bei deren Überschreiten höchsten 2 %. Ab dem 11. Jahr orientiert sich der Zinssatz an dem des Kapitalmarkts, beträgt jedoch höchstens 6 %. An die Neu- oder Umbau werden spezifische Mindestanforderungen gestellt.  Das Gesamtprogramm der niedersächsischen Wohnraumförderung kann hier www.nbank.de abgerufen werden.

 

Wohnungsbauförderung in Nordrhein-Westfalen

Auch das Land Nordrhein-Westfalen legt seinen Schwerpunkt bei der Wohnraumförderung auf Familien und schwerbehinderte Personen. Im Regelfall beschränkt sich die Fördermöglichkeit mittels eines Kredits jedoch auf festgelegte Kommunen (Auflistung unter Gebiete Wohnraumförderung). Es werden u. a.  Mindestgrößen für Wohn- und Schlafräume und die Einhaltung energetischer Standards erwartet, Förderdarlehen für Eigentumswohnungen in Hochhäusern sind ausdrücklich ausgeschlossen.  Das Land vergibt einmalige Zuschüsse für verschiedene Beratungsleistungen. Näheres zu den Förderkonditionen aller Fördermaßnahmen gibt es hier: www.nrwbank.de

 

Wohnungsbauförderung in  Rheinland-Pfalz

Der private Wohnraumbau wird in Rheinland-Pfalz mit einem einkommensabhängigen Förderdarlehen unterstützt. Die Darlehenshöhe beträgt 100.000 EUR, in Mainz 120.000 EUR.  Die Zinsfestschreibung erfolgt für 10, 15 0der 20 Jahre; die entsprechenden Zinssätze für diese Zeiträume liegen bei 1,5, 1,85 bzw. 1,95 % pro Jahr. Der Kredit muss mit einer Tilgung von mindestens 2,5 % jährlich vereinbart werden, Sondertilgungen sind jährlich in Höhe von bis zu 10 % der Darlehenssumme möglich. Die mit der Durchführung der Förderprogramme beauftragte Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz erhebt eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1 % des Förderdarlehens. Die Programme zur Wohnraumförderung sind hier http://isb.rlp.de/ veröffentlicht.

 

Wohnungsbauförderung im Saarland

Auch im Saarland werden einkommensabhängig Förderkredite vergeben.
Der Sollzinssatz beträgt derzeit 1,9 % pro Jahr bei einer maximalen Kreditlaufzeit von 30 Jahren. Die Zinsbindung besteht über die gesamte Laufzeit des Kredits. Damit werden Kosten im Zusammenhang mit dem Neubau oder Kauf einer Wohnimmobilie sowie wesentliche Baumaßnahmen gefördert. Der Förderkredit ist auf bis zu 30 % der Gesamtkosten oder 500 EUR pro qm förderbarer Wohnfläche begrenzt; bei der Durchführung von wesentlichen Baumaßnahmen beträgt die flächenbezogene Fördergrenze 400 EUR je qm. Das Saarland hat noch weitere Förderprogramme aufgelegt, mit denen beispielsweise die Errichtung von Photovoltaikanlagen unterstützt wird. Das vollständige Förderprogramm ist hier www.sikb.de einsehbar.

 

Wohnungsbauförderung im Freistaat Sachsen

Die Grundförderung des für Privatleute konzipierten Programms Wohneigentum beträgt maximal 50.000 EUR und erhöht sich für jedes zum Haushalt gehörende Kind um 35.000 EUR. Dem geringen Zinssatz (1 % für jedes der 25 Jahre Laufzeit) steht eine relativ hohe Tilgungsrate von 3,7 % gegenüber. Der Kredit ist mit einer Inanspruchnahme des KfW-Wohneigentumsprogramms gekoppelt. Das Spektrum der sächsischen Förderprogramme für private Bauherren oder Eigentümer von Wohnimmobilien umfasst zwar auch ein Energiespardarlehen, ist jedoch insgesamt deutlich durch die Unwetter seit 2010 geprägt, die das Land schwer getroffen haben. In der Übersicht finden sich neben mehreren Hilfsprogrammen für Hochwassergeschädigte auch Hilfen für von Starkregen oder vom Tornado 2010 betroffene Privathaushalte. Eine vollständige Aufstellung der Förderprogramme ist hier: www.sab.sachsen.de

 

Wohnungsbauförderung in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt spielt die Hochwasserhilfe zwar auch eine Rolle, hier ist der Schwerpunkt auf der Schaffung von Wohneigentum jedoch stärker ausgeprägt. Die Zielgruppe liegt sowohl beim Erwerb als auch beim Neubau bei Privathaushalten mit mindestens zwei Personen. Die Konditionen ähneln sich deutlich: Das Darlehen beträgt bis zu 65.000 EUR, die Zinsfestschreibung 10 Jahre bei einem Zinssatz von 2 %. Bei der Vergabe spielen eine Mindesteigenleistung der Antragsteller, Einkommensgrenzen sowie regionale Einschränkungen eine Rolle. Geht es um den Kauf oder Bau einer neuen Immobilie (Erstbezug), werden ein Zuschuss von 800 EUR pro Jahr und Kind für fünf Jahre sowie 5.000 EUR für jedes weitere Kind, das im Förderzeitraum von fünf Jahren geboren wird, gewährt. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt hat alle Informationen unter dem Link www.ib-sachsen-anhalt.de zur Verfügung gestellt.

 

Wohnungsbauförderung in Schleswig-Holstein

Hier werden einkommensabhängige Förderkredite an Familien oder Schwerbehinderte vergeben, wenn es um den Kauf, Neubau oder gravierenden Um- oder Erweiterungsbau einer selbstgenutzten Wohnimmobilie geht. Die Kredithöhe ist von der Art der Maßnahme und dem Gebäudetyp sowie dem erreichten energetischen KfW-Standard abhängig.  Der Zinssatz mit einer Zinsbindung von 20 Jahren liegt effektiv zwischen 1,58 % und 2,6 % und orientiert sich am KfW-Standard. Die Investitionsbank Schleswig-Holstein hat hierzu ausführliche Informationen bereitgestellt: www.ib-sh.de

 

Wohnungsbauförderung im Freistaat Thüringen

Das Land Thüringen vergibt Förderkredite sowohl für wohnungssuchende Privatleute mit einem nachzuweisenden Höchsteinkommen als auch juristische Personen für den Neubau, Umbau oder für die Erweiterung von Wohnimmobilien in Sanierungs-, Erhaltungs- oder Kerngebieten, auf Recycling- oder auf für den Mietwohnungsbau geeigneten Grundstücken. Das Förderdarlehen für Neubauten beträgt für jeden Quadratmeter förderbare Wohnfläche 800 EUR; für Wohnimmobilien, die alters- oder behindertengerecht aus- oder umgebaut werden sollen, werden pro Quadratmeter Darlehen von bis zu 900 bzw. 1.000 EUR gewährt. Mit dem Darlehen ist eine Belegungsbindung bis zum 31.10.2029 verknüpft. Für diese Dauer werden keine Zinsen erhoben, ab dem 1.11.2029 wird ein Zinssatz von 3 % verlangt.  Unter Thüringer Aufbaubank finden Sie weitere Informationen.

 

Bitte beachten Sie diese Hinweise:
Diese Aufstellung ist nur ein Auszug der von den Bundesländern bereitgestellten Fördermöglichkeiten. Alle haben jedoch grundsätzlich gemeinsam, dass sie vor dem Beginn der entsprechenden Maßnahme (Bau/Kauf) beantragt werden müssen und es grundsätzlich keinen Rechtsanspruch der Antragsteller auf eine Förderzusage gibt.  Bei genauerer Betrachtung spiegeln sich auch teilweise die Haushaltssituationen der einzelnen Länder sowie jeweilige Förderschwerpunkte, die nach Naturkatastrophen oder Bevölkerungsentwicklungen gesetzt wurden, im Spektrum der Programme wider. Um den Bau oder Kauf einer Wohnimmobilie möglichst gut zu finanzieren, sollten genaue Informationen eingeholt werden, welche öffentlichen Förderungen möglich sind.  Neben den KfW- und Landesförderprogrammen gibt es in zahlreichen Kommunen eigene Programme, die oft nicht sehr bekannt sind. Der Gang ins Rathaus kann sich deshalb lohnen.

Letzte Aktualisierung: 17.02.2017
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