Baufinanzierungsberatung

Wenn Sie eine Baufinanzierung abschließen, brauchen Sie das Geld aus dem Darlehen in der Regel nicht sofort. Die Bank gewährt Ihnen im besten Fall eine Frist, in der Sie die Kreditsumme zur Gänze abrufen müssen. Nach Ablauf dieser Frist werden sogenannte Bereitstellungszinsen für den noch nicht abgerufenen Betrag fällig. Worauf Sie beim Abschluss einer Finanzierung in dieser Hinsicht achten sollten und wie Sie die Möglichkeiten rund um das Thema Bereitstellungszinsen klug für eine Anschlussfinanzierung nutzen können, haben wir hier für Sie zusammengetragen.

Warum Sie Zinsen für Geld bezahlen, dass Sie noch gar nicht haben

Sie planen einen Hausbau und sind glücklich, dass Sie die notwendige Finanzierung unter Dach und Fach gebracht haben. Jetzt geht es an den Bau. Die Bank gewährt Ihnen eine bereitstellungszinsfreie Zeit von sechs Monaten. Doch nach sechs Monaten sind erst der Keller und der Rohbau fertig gestellt. Die ersten Zahlungen sind fällig geworden, doch Sie mussten noch lange nicht die volle Summe zahlen. Da Baufinanzierungskredite zweckgebunden sind und Sie den Verbrauch des Geldes durch die entsprechenden Rechnungen nachweisen müssen, können Sie immer nur so viel Geld abrufen, wie an Ihrem Bauvorhaben wirklich verbraucht worden ist. Ihre Bank hält natürlich die Restsumme Ihres Kredits für Sie bereit und kann mit diesem Geld keine anderweitigen Verträge abschließen. Dadurch entgehen der Bank einerseits Zinserlöse und andererseits ist das Risiko damit verbunden, dass die Zinsen in diesen sechs Monaten angestiegen sein könnten. Damit diese beiden Punkte abgesichert sind, erheben die Banken Bereitstellungszinsen. Das bedeutet, dass Sie in diesem Fall zwei verschiedene Zinsbeträge zu zahlen haben. Einerseits zahlen Sie die Darlehenszinsen für die Summe, die Sie bereits für die ersten Baufortschritte bezahlen mussten und deshalb bereits abrufen konnten. Zum anderen zahlen Sie für den Restbetrag die Bereitstellungszinsen.

Deshalb zahlen Sie mit Bereitstellungskosten unter dem Strich doppelt

Bereitstellungszinsen werden aus dem Betrag errechnet, der von Ihrem Kredit noch nicht abgerufen wurde. Der Bereitstellungszinssatz liegt bei den meisten Banken in der Regel bei 3 % des noch nicht abgerufenen Kreditbetrages. Wenn Sie also einen Kredit über 250.000 Euro abgeschlossen haben und hier bislang 200.000 Euro nicht abgerufen wurden, werden monatlich Bereitstellungszinsen in Höhe von 500 Euro fällig. Dabei zahlen Sie natürlich noch keine Tilgung. Die Bereitstellungszinsen sind lediglich die Kosten für die Reservierung der Kreditsumme. Wenn Sie den Kredit abgerufen haben, zahlen Sie nach wie vor die vollen Zinsen und beginnen dann mit der Tilgung. Damit sind Bereitstellungszinsen zusätzliche Kreditkosten, die Sie bei Abschluss des Kredits als Bauherr noch gar nicht genau einschätzen können.

Worauf Sie beim Abschluss einer Baufinanzierung unbedingt achten sollten

Es gibt Banken, die  Ihnen nur einen Monat bereitstellungszinsfreie Zeit gewähren. Selbst wenn dieser Kreditvertrag mit einem leicht günstigeren Zinssatz daherkommen mag, kann dieser Vorteil bei einer langen Bauphase schnell von den Bereitstellungszinsen aufgefressen werden.

Bereitstellungszinsfreie Zeit von 6 Monaten vereinbaren

Sie sollten auf jeden Fall mindestens eine bereitstellungszinsfreie Zeit von 6 Monaten vereinbaren.
Manche Banken gewähren Ihnen auch einen Zeitraum von 12 oder sogar von 15 Monaten. Allerdings gilt zu beachten, dass sich dies auch im Effektivzins bemerkbar machen kann. Wenn Sie allerdings mit einer längeren Bauphase rechnen, kann sich ein etwas höherer Zinssatz durchaus lohnen, wenn Sie dadurch während des Bauprozesses die Bereitstellungszinsen einsparen. Hier lohnt es sich, die Konditionen genau zu vergleichen.

Fremdkapital vor dem Eigenkapital einsetzen

Sie sollten versuchen, das Fremdkapital vor dem Eigenkapital einzusetzen. So können Sie die Summe der Bereitstellungszinsen ebenfalls reduzieren. Diese Option bietet allerdings keine Bank von selbst an, hier ist gutes Verhandeln gefragt. Je höher Ihr Eigenkapital und je besser Ihre Bonität ist, desto größer sind Ihre Chancen, diese Option in den Kreditverhandlungen herausholen zu können.

Hinweis:
Wichtig ist, dass die bereitstellungszinsfreie Zeit im Kreditvertrag verankert wird.

So nutzen Sie bereitstellungszinsfreie Phasen für eine Anschlussfinanzierung

Wenn Ihre alte Baufinanzierung ausläuft, brauchen Sie eine Anschlussfinanzierung. Es kann sich durchaus lohnen, sich schon rund ein Jahr vor Ablauf des bestehendes Kredites umzusehen und die Anschlussfinanzierung zu möglichst günstigen Konditionen bei einer Bank abzuschließen, die Ihnen zwölf Monate bereitstellungszinsfreie Zeit gewährt. So haben Sie Ihre Anschlussfinanzierung frühzeitig sichergestellt und einen gesicherten Zinssatz. Selbst wenn die Zinsen nach Abschluss noch ansteigen sollten, können Sie sich beruhigt zurücklehnen.

Fazit: Bereitstellungszinsen – ein Übel das Sie kaum zur Gänze vermeiden können

Bereitstellungszinsen sind eine Art Gewinnsicherung der Bank. So sichert sich Ihre Bank für den Fall ab, dass Sie den Kreditbetrag auch nach mehr als einem Jahr noch nicht zur Gänze abgerufen haben. Denn die Kreditsumme als solche bleibt natürlich komplett für Sie reserviert. Da Bereitstellungszinsen meist teurer sind als die Darlehenszinsen und in dieser Phase keine Tilgung erfolgt, sollten Sie versuchen, die Phase, in der Sie diese Zinsen zahlen müssen, so kurz wie möglich zu gestalten.

Übrigens:
Wenn Sie mit Ihrem Bauunternehmen feste Übergabezeitpunkte für einzelne Gewerke vereinbart haben, können Sie in dem Vertrag auch Konventionalstrafen für verspätete Fertigstellungen verankern. Die Übernahme der Bereitstellungszinsen ist hierbei eine gängige Variante. Allerdings ist auch das reine Verhandlungssache.

 

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