Wohn-Riester ist der umgangssprachliche Begriff für eine Leistung aus dem Gesetz mit dem sperrigen Titel „Gesetz zur verbesserten Einbeziehung der selbstgenutzten Wohnimmobilie in die geförderte Altersvorsorge - Eigenheimrentengesetz (EigRentG)“. Wohn-Riester ist auch unter der Bezeichnung Eigenheimrente bekannt und in ganz Deutschland gültig. Mit dem Riester-Vertrag, der auch als „Riester-Rente“ bezeichnet wird, wird eine Zusatzrente aufgebaut; bei Wohn-Riester wird hingegen in eine Immobilie investiert. Um Wohn-Riester in Anspruch nehmen zu können, muss ein herkömmlicher Riester-Vertrag („Riester-Rente“)  bereits vorhanden sein.  Mit diesem Gesetz werden selbstgenutzte Eigenheime oder Eigentumswohnungen Bestandteile der steuerlich geförderten Altersvorsorge. Die Bundesregierung möchte auf diesem Weg die Bürger dazu bringen, sich stärker als bisher privat um ihre Alterssicherung zu kümmern.

 

Hierfür ist Wohn-Riester möglich

Unter den Voraussetzungen, dass der Zulageempfänger seine Wohnimmobilie selbst nutzt und diese seinen Lebensmittelpunkt darstellt sowie sich auf dem Gebiet der Europäischen Union oder des Europäischen Wirtschaftsraums befindet, werden diese Immobilien- oder Eigentumsarten gefördert:

  • ein Dauerwohnrecht, dass entweder lebenslang gilt oder einem Eigentumsverhältnis ähnelt
  • Genossenschaftswohnungen, sofern die Genossenschaft im Genossenschaftsregister registriert ist
  • ein eigenes Haus
  • eine eigene Eigentumswohnung

Da es darum geht, den Bürgern im Alter ein mietfreies Wohnen zu ermöglichen, lässt sich Wohn-Riester nicht bei einem Kauf von Gartenlauben in Gartenkolonien oder Ferienwohnungen einsetzen. Auch die Finanzierung von Modernisierungsmaßnahmen der eigenen Immobilie ist nicht möglich. Aufgrund des am 1. Januar 2014 in Kraft getretenen Altersvorsorge-Verbesserungsgesetzes sind jedoch nun auch behinderten- und altengerechte Umbauten förderungsfähig. Wohn-Riester kann hingegen sowohl bei einem Immobilienkauf oder -bau als auch während der Auszahlungsphase für die Entschuldung einer Immobilie verwendet werden. In diesem Fall ist mit dem Begriff der Auszahlungsphase die Auflösung des sogenannten Wohnförderkontos gemeint. Ebenfalls seit dem 1. Januar 2014 gilt die neue Regelung, dass ein Guthaben aus einem Vertrag über Riester-Rente zu jedem Zeitpunkt dazu eingesetzt werden kann, um die Schulden, die für die eigene Immobilie aufgenommen wurden, zu tilgen. Zu diesem Zweck müssen mindestens 3.000 EUR entnommen werden. Soll der Vertrag fortgesetzt werden, um auch künftig die staatliche Förderung zu bekommen, müssen wenigstens 3.000 EUR Guthaben im Vertrag verbleiben. Das bedeutet: Ein Riester-Vertrag, der weiterhin bestehen bleiben soll, muss vor einer Entnahme über ein Guthaben von wenigstens 6.000 EUR verfügen.

 

Für diesen Personenkreis ist Wohn-Riester bestimmt

Das Einkommensteuergesetz bestimmt in § 79 den Personenkreis der Förderberechtigten.

Dazu gehören

  • bei der Deutschen Rentenversicherung versicherter Arbeitnehmer
  • versicherungspflichtige Selbstständige
  • Beamte
  • Empfänger von Kranken- oder Arbeitslosengeld
  • geringfügig Beschäftigte („ Mini-Jobber“), sofern sie Rentenversicherungsbeiträge zahlen und auf ihre Sozialversicherungsfreiheit verzichten
  • Ehepartner, sofern der andere Ehegatte bereits förderberechtigt ist

 

Der Sinn eines Wohnförderkontos

Ein Wohnförderkonto wird fiktiv eröffnet und hat keine Ähnlichkeit mit einem Girokonto. Es dient nur zur Registrierung der staatlich geförderten Tilgungsleistungen bis zu einer Höhe von 2.100 EUR. Dieses Verfahren ist für die spätere Besteuerung notwendig, da auch hierfür wie für herkömmliche Riester-Verträge die nachgelagerte Besteuerung gültig ist. Geld, das auf einem Wohnförderkonto gebucht wird, wird immer am Ende eines Jahres mit einem Sollzinssatz von 2 % belegt. Der Anspruch auf die volle Förderung besteht nur dann, wenn mindestens 4 % des Bruttoeinkommens aus dem vorherigen Jahr (jedoch höchstens 2.100 EUR) für die Tilgung des Darlehens eingesetzt werden. Beispiel: Wenn das Bruttoeinkommen des Vorjahres 40.000 EUR betragen hat, muss die Tilgung in diesem Jahr mindestens in einer Höhe von 1.600 EUR liegen. Dieser Betrag wird zusammengesetzt aus der eigenen Tilgung und den gesetzlich zustehenden Zulagen.
Das Wohnförderkonto wird spätestens dann aufgelöst, wenn der Zulageberechtigte das 68. Lebensjahr erreicht hat. Der Endbetrag unterliegt der Steuerpflicht. Bei der Versteuerung besteht jedoch die Wahl zwischen der Aufteilung der zu zahlenden Steuern bis zum 85. Lebensjahr oder der einmaligen Besteuerung des Gesamtkapitals. Wer sich für die einmalige Besteuerung entscheidet, erhält einen Rabatt in Höhe von 30 %. Diese Variante hat jedoch einen Haken: Wenn die Immobilie innerhalb der nächsten 20 Jahre verkauft wird, muss der Rabatt nachträglich versteuert werden. Seit dem 1. Januar 2014 ist es möglich, die Entscheidung zugunsten der Verteilung der Steuerschuld später in eine Einmalbesteuerung zu ändern. Die Entscheidung für die eine oder andere Variante hängt von mehreren Kriterien ab. Finanzfachleute empfehlen daher, sich von einem Steuerberater beide Möglichkeiten ausrechnen zu lassen.

 

Was beim Verkauf oder einer Vermietung der Immobilie passiert

Da das Gesetz darauf abstellt, dass der geförderte Wohnraum vom Eigentümer selbst genutzt wird, geht der Anspruch auf eine Förderung bei einem Verkauf oder einer Vermietung grundsätzlich verloren. Diese Transaktionen müssen deshalb mitgeteilt werden, damit das Wohnförderkonto auf null gestellt werden kann. Die Steuerpflicht tritt sofort ein. Wie bei vielen anderen Regelungen gibt es aber auch hier einige Ausnahmen, mit denen das Gesetz auf unterschiedliche Lebensverhältnisse Rücksicht nimmt:

  • Vermietung der Immobilie
    Wird die Immobilie vermietet, muss die Vermietungsdauer zeitlich befristet sein. Während der Rentenphase muss sie jedoch vom Zulageempfänger selbst genutzt werden, der Einzug hat spätestens im Alter von 67 Jahren zu erfolgen. Dieses Vorgehen muss jedoch vorab beantragt werden und genehmigt worden sein.

  • Verkauf der Immobilie
    Grundsätzlich kann die Immobilie auch verkauft werden. Allerdings muss dann entweder innerhalb von vier Jahren eine neue Wohnimmobilie gekauft oder Geld im Laufe eines Jahres in einen Vertrag für eine Riester-Rente eingezahlt werden. Auf diese Weise kann die monatliche Rentenzahlung sichergestellt und die Steuerschuld durch eine Verringerung des Kontostands auf dem Wohnförderkonto reduziert werden.

  • Scheidung
    Auch bei einer Scheidung muss einiges beachtet werden. Sofern die Wohnimmobilie aufgrund einer Entscheidung durch das Familiengericht einem Ehepartner zugesprochen wird, wird die Förderfähigkeit nicht beeinträchtigt. Wenn jedoch im Zuge des Versorgungsausgleichs die Eigentumsübertragung auf einen Ehepartner nicht gelingt, wird dies als förderschädliche Verwendung eingestuft. In diesem Fall ist wie bei einem Immobilienverkauf zu verfahren.

  • Todesfall
    Bei einem Todesfall muss der überlebende Ehegatte innerhalb eines Jahres sowohl die Immobilie als auch das Wohnförderkonto übernehmen. Passiert dies nicht, wird von einer Fehlverwendung der Förderung ausgegangen. Verstirbt der Zulageempfänger während der Rentenphase, wird überprüft, auf welche Weise das Wohnförderkonto aufgelöst wurde und entsprechend verfahren (siehe oben).

 

Die Vorteile von Wohn-Riester

Mit Wohn-Riester können verschiedene Zulagen bezogen werden, die in das Darlehen einfließen. Sie werden unabhängig vom Einkommen sowohl für den Zulageempfänger als auch für kindergeldberechtigte Kinder gezahlt. Der Zulagenempfänger bezieht pro Jahr eine Grundzulage von 154 EUR; ist der Vertragsinhaber zum Zeitpunkt des Abschlusses jünger als 25 Jahre, wird ihm ein einmaliger Bonus von 200 EUR gezahlt. Für kindergeldberechtigte Kinder bemisst sich die Höhe der Zulage nach ihrem Alter: Wurden sie vor 2008 geboren, beträgt die jährliche Zulage pro Kind 185 EUR, für jüngere Kinder werden 300 EUR gezahlt. Die Zulagen bewirken, dass der Immobilienkredit früher getilgt werden kann. Durch die Einsparung der Kreditraten und die Möglichkeit, das gesparte Geld anzulegen, können Darlehenszinsen gespart und Habenzinsen erwirtschaftet werden.
Liegen bestimmte Einkommens- und Familiensituationen vor, ist es möglich, die Darlehenstilgungen als Sonderausgaben bis zu einer Höhe von 2.100 EUR steuerlich anzusetzen.

 

Nachteile von Wohn-Riester

Wohn-Riester ist eine Vorsorgeart, die relativ kompliziert aufgebaut ist. Um die Vorzüge in Anspruch nehmen zu können, müssen die Zulageberechtigten über mehrere Jahrzehnte hinweg verschiedene Bedingungen erfüllen, die auch bis in ein Rentenalter reichen, dass viele Menschen gar nicht erleben. Gelingt dies nicht, kann noch nach etlichen Jahren die Förderung zurückverlangt werden, obwohl das Darlehen längst getilgt wurde. Vor einer Entscheidung für Wohn-Riester sollte daher die Beratung durch einen Experten erfolgen.

 

Kaufen statt Mieten

 

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